Wow, ich hab Fans
- Hatte eigentlich nicht vor, meine wirren Gedanken jemals in gebundener Ausgabe zu veröffentlichen, ist doch peinlich...Wichtiger war mir, dass sich jeder mal überlegt, ob er denn auch all das wirklich schon kann, was er sich durch anschauen von TV-Survivalserien oder entsprechender Lektüre vermeintlich angeeignet hat. Wer (außer vielen von uns natürlich) geht denn schon danach in den Garten/Seniorenresidenz/Wald/Problembezirk und probiert diese ganzen tollen Tricks und Gimmicks mit dem Zweck der Aneignung von Handlungssicherheit aus? Ohrenbetäubende Stille.
Mal ein trauriges Beispiel aus dem Berufsleben:
Die für unsereins modisch maßgebende ZDv 37/10 sieht vor, dass jeder Kamerad sein Taschenmesser in der dafür vorgesehenen Innentasche der Feldhose trägt (ich dichte da gern ein "mindestens" hinzu
). Gut soweit. Da gäbe es dann das alte "Bw-Stumpf" Slipjoint oder das neue Victorinox Einhandmesser. Vorausgesetzt, es hat wirklich mal jemand dabei (weil ist ja ein böses Messer und mit Waffen wollen wir ja nix zu tun haben, mimimi
Was wird damit gemacht? Munkiste klemmt? Klinge! Schraube lose? Klinge! Lackdose oder Kaffeepackung zu? Klinge! Nagel-/Hornhaut wuchert? Klinge!
Keiner den ich danach gefragt habe, wäre auf Anhieb in der Lage, eine Konservendose mit seinem gut ausgestatteten Taschenmesser zu öffnen. Womit denn auch? Ist ja nur ne Klinge dran. Ach ja, ein Schraubenzieher wär mal nicht schlecht ab und zu (überspitzt ausgedrückt).
Dosenöffnen wird ja auch nicht ausgebildet, außer im Rahmen des "Bergfestes" und dann heißt das Mittel der Wahl nicht Messer, sondern Asti oder Wodka-Bull. Und EPA hat ne Aufreißlasche
Wozu sich also mit seiner Ausrüstung beschäftigen, man wird ja eh immer bekocht oder hat ne Fastfood-Filiale vorm Tor.
Gute Überleitung zum nächsten Abschnitt eigentlich 
@ UglyKid, du willst im Ernstfall in die Heimat aufs Land flüchten, weil du dich dort besser versorgen kannst, wenn ich das richtig verstanden habe. Klar, kann man machen, wenn es die Lage zulässt und keine Hindernisse wie Falloutverseuchte Gebiete, Frontlinien, Checkpoints, zerstörte oder gesperrte Brücken/Straßen oder einfach nur eine Ausgangssperre einen aufhalten.
Kommt halt ganz auf das gewünschte Szenario an
Ich persönlich wohne auch lieber in der Nähe einer Stadt als mittendrin. So bin ich aufgewachsen, so fühle ich mich wohl, und sicher wäre ich lieber dort als in der Migration. Zum Einkaufen ging es dann aber doch meist in die Stadt. Bei mir in der Heimat gibt es auf dem Land z.B. immer weniger Metzgereien, Bäckereien oder überhaupt Landwirte, die irgendwas brauchbares neben Raps und Futtermais anpflanzen. Oder Ärzte. Oder eine Postfiliale. OK, Weingüter gibt es zuhauf, damit kann ich mir die Katastrophe dann wenigstens schönsaufen. Die Dörfer in vielen Ländern wandeln sich heutzutage immer mehr zu Wohn- und Schlafsiedlungen, weil der Arbeitsplatz und die Einkaufsmöglichkeiten eben in der Stadt sind. Fragt mal ältere Mitmenschen ohne Auto, die haben da eine ganz andere Perspektive darauf.
Ich habe trotz Jugend auf dem Land jedenfalls noch nie eine Kuh oder Ziege gemolken, ein Schwein geschlachtet oder wenigstens mal daneben gestanden. Oder eigenes Brot gebacken. Brombeeren und Kirschen pflücken, das ham wir gemacht früher, jo. Vorräte gehen irgendwann zur Neige. Der Viehbestand des einzigen Bauern im 1200 Einwohner-Dorf auch. Entweder alles geschlachtet oder verhungert, weil kein Futter mehr ankommt. Und dann? Wieder Brombeeren und Kirschen pflücken? Schade, grad ist die Saison vorbei. Die meisten Vorräte lagern nun mal in Städten oder Logistikzentren an Autobahnkreuzen, also muss ich dort früher oder später zum einkaufen oder plündern hin. Wenn man den Nachrichten glaubt, werden größere Siedlungen auch meist zuerst von Hilfskräften angesteuert oder überhaupt erreicht. Also ein Pluspunkt für die Stadt. Den Nachteil, dass dort mehr Menschen austicken können als auf dem Land, hast du ja bereits erwähnt, UglyKid.
An dieser Stelle komme ich zurück zu den Dingen, um die man sich oft keine Gedanken macht. Gegenwärtig bin ich zum Beispiel auf einem Lehrgang. Das bedeutet für mich und alle anderen Lehrgangsteilnehmer, dass wir aus unserem normalen Dienstalltag heraus für einen bestimmten Zeitraum an einen fremden Standort kommandiert wurden. Für mich nicht ganz so fremd, weil ich hier schon mal war und längere Zeit in der Nähe stationiert war, aber das ist zunächt mal zweitrangig.
Ich finde es einfach seltsam, wie man sich ein, zwei oder mehr Wochen an einem Standort befinden kann, ohne zu wissen wo man eigentlich ist, beziehungsweise, wie einen das nicht interessieren kann. Wohlgemerkt: Freizeit haben wir genug und an Mitfahrgelegenheiten sowie Internet zur Informationsbeschaffung würde es nicht mangeln. Was macht der stumpfe Lehrgangsteilnehmer aber? Bezieht sein Bier aus dem ansässigen Mannschaftsheim und macht ne Grillpary hinterm Kompanieblock. Nach drei Wochen dann Rückreise - schön nach Navi, damit man die Autobahnauffahrt auch wiederfindet, und tschüss. Daheim dann nur "Ach war das öde da, in dem Kaff geht ja gar nix, total tote Hose, endlich weg da, endlich wieder normale Leute."
Klingt erst mal ein wenig militärisch, lässt sich durch das austauschen der Begriffe "zum Lehrgang kommandiert" und "Mannschaftsheim" durch "all inclusive gebucht" und "Poolbar" aber auch aufs Zivilleben übertragen
Der einzige Unterschied ist eigentlich, dass bei uns die Teilnahme am Animationsprogramm befohlen ist.
Preparedness - ganz banal. Wo bin ich? Was für Leute wohnen hier? Wie leben die? Was gibt es hier gutes zu essen/trinken? Wo gibt es das? Wie komm ich da hin? Was kostet es?
Kann man eigentlich auch jederzeit auf sein Reiseland anwenden, oder? Ich bin halt nicht so der Cluburlauber 
Kurzum: man sollte doch zumindest wissen, in welchem Bundesland man sich befindet oder wie weit die nächste Großstadt ist und wie man da hin kommt, nicht nur mit Navi und Nummern von Ausfahrten. Was hab ich in BaWü schon für lange Gesichter gesehen, wenn herausgefunden wurde, dass nach 22 Uhr an der Tanke nicht mal mehr Bier verkauft werden darf. Die Party war dann gelaufen. Mit ein wenig Vorbereitung hätte man es vielleicht schon früher erfahren...
Grüße,
Daniel