Abgesehen von diversen designgünstigen Proportionen mag wohl auch die Gewichtesverteilung eine Rolle spielen. Ab einer gewissen Größe und damit einhergehendem Gesamtgewicht interessiert es mich nämlich schon, ob ein Messer eher "kopflastig" ist oder auf die Position des Zeigefingers am Griff ausbalanciert ist. Bei Taschenmessern für gewöhnlich kein großer Faktor wenn es um den Nutzen geht, aber bei "outdoor"-Messern wird es umso interessanter. Dabei kommt es natürlich sowohl auf persönliche Vorlieben an, als auch auf den vorgesehenen Verwendungszweck:
Eine Machete wird für gewöhnlich abwärts schneidend geschwungen, um diverses Gestrüpp zu zerteilen und das Eigengewicht der Klinge erspart dem Anwender dabei die Mühe, selbst allzuviel Kraft in diese Bewegung zu legen. Diese Kombination ermöglicht erst das Arbeiten über mehrere Stunden mit diesem Erntegerät. Ein großer Griff ist hier nicht sinnvoll, da der Zweck einer Machete lediglich diese eine Bewegungsart mit Schwüngen nach rechts oder links erfordert. Ganz ähnlich schaut es im übrigen bei den alten Kavalleriesäbeln aus, die weniger zum Fechten gegen einen ebenbürtigen Gegner als zum "niedermähen" der gegnerischen Infanterie geeignet sind. Auch hier findet man einen sehr kurzen Griff an einer langen gebogenen Klinge. Das Anheben erfordert dabei gelegentlich mehr Mühe als ein wirksamer Abwärtsschwung.
Ein "Camp Knife" oder "Überlebensmesser", wie sie gerne beworben werden, mit sagen wir mal 15-25 cm Klinge soll mehr als diese eine Aufgabe erledigen können, erfordert also ein anderes Design. Schnitzen, Kerben, Bohren, kleinere Bäumchen fällen, jagdliche Anwendungen usw. Hierbei kann (ausdrückliches "kann") es mehr den Vorlieben des Anwenders entsprechen, wenn er die Position seiner Hand auf dem Griff verändern kann. Sprich: Weiter nach vorne, wenn er sich eine bessere Balance für feine Schnitzarbeiten beim Fallenbau o.Ä. wünscht oder weiter nach hinten, wenn Kopflastigkeit erwünscht ist, eventuell um Knochen zu zerteilen oder ein Stämmchen von Zweigen zu befreien oder selbiges Stämmchen zu fällen. Man kann sich auch Szenarien ausmalen, bei denen man gerne mit der zweiten Hand zupacken würde: Wurzeln ausgraben, Eisfläche durchstoßen, Hebeln etc.
So gibt es nun mal für jedes Patschehändchen einen passenden Griff und ich mache mir ehrlich gesagt keinen Kopf darum, dass ein Becker, Busse oder RAT/ESSEE einen mehr oder weniger langen Griff hat und ein GEK oder Ka-Bar einen im Vergleich kompakteren. Es ist letztendlich die persönliche Vorliebe des einzelnen, welches er wählt. Natürlich kann ich mich mit meinen kleinen Pratzen ärgern, dass es so manche leider geile Klinge nur an einem für mich zu fetten Griff gibt und somit für mich aus der Wahl fällt, aber deswegen spreche ich dem Produkt sicher nicht seinen grundsätzlichen Nutzen ab
Ich könnte höchstens Behaupten, dass kleinere Griffe mir meist ergonomischer gestaltet vorkommen, während die großen oft einen Kompromiss aus Anforderung und Ergonomie darstellen.
Gruß,
Daniel