Als nicht-Messermacher und nicht originären Entwickler einer dergestalten Griffoberfläche mag ich mich nur ungern über den Sinn derselben äußern, aber die Wirkung die sie optisch und haptisch auf mich oder Andere hat, kann ich vielleicht beschreiben.
Zum einen ist es "mal was Anderes". Nach Horn, Knochen, Metall, Holz oder Leder als Griffmaterialien, die je nach Kulturkreis zum Teil seit Jahrtausenden verwendet wurden, hat der Mensch zuletzt verschiedene Kunststoffe und Laminate entwickelt, die sich grundsätzlich ebenfalls für Werkzeuganwendungen eignen.
Nun hat man als nicht nur Anwender sondern auch als Sammler von Messern vielleicht ein paar Ansprüche, die über die reine Eignung als Werkzeug hinausgehen. So müssen mich nicht nur die technischen Daten/theoretischen Leistungen, sondern auch das Aussehen und das Griffgefühl überzeugen, damit ich ein bestimmtes Messer haben möchte.
Mit Plastik - und auch G10 oder Micarta fasse ich mit ihrem Kunstharzanteil hier sinngemäß als "Kunst-Stoffe" unter dem Begriff zusammen - verbinden wir nun mal überwiegend kostensparende, schnelle Herstellung, ohne die "Seele" eines Handwerkers mitbekommen zu haben einfach von einer Maschine in einer Fabrik ausgespuckt.
Der emotionale Wert den wir Plastikprodukten beimessen hält sich also Kulturbedingt in Grenzen, zumal sie meistens ohne großen Aufwand zu ersetzen sind. Stichwort Wegwerfgesellschaft.
Jetzt arbeiten solche Industriemaschinen zu allem Überfluss auch noch sehr genau innerhalb geringer Fehlertoleranzen und produzieren makellose Oberflächen.
In der Masse betrachtet finde ich das auf die Dauer etwas langweilig. Vermutlich ein Grund, warum ich noch kein Messer von Cold Steel oder Becker Besitze, obwohl regelmäßig von deren Qualität berichtet wird. Die sind mir einfach zu "sauber". Speziell bei Cold Steel turnt mich obendrein sogar der Name ab
Komischerweise besitze ich mehrere Victorinox und Spydercos. Dort sind es nach einiger Überlegung aber wieder andere "Werte" wie das "legendäre" des schweizer Offiziersmessers und das kontroverse "liebe es oder hasse es" der typischen Spyderco-Klingenform, die mich ansprechen.
Was machen wir also mit dem seelenlosen Kunststoff?
Wir bearbeiten ihn so lange, bis er nicht mehr "perfekt" aussieht, bis er die Augen durch das sichtbar werden einer händischen Bearbeitung auf sich zieht, man ihm eine "organische" Anmutung verpasst und letztlich die Finger neugierig darauf macht, wie sich der Gegenstand in allen möglichen Handlagen anfühlt.
Hier lassen sich gerade bei Micarta durch die Auswahl der verwendeten Materialien und Farben sehr interessante Effekte erzielen:
Der Radius der Kanten, der Wechsel zwischen Erhebungen und Vertiefungen lässt gegebenenfalls eine Maserung zu Tage treten, die abschließende Oberflächenbehandlung entscheidet mit darüber, ob das Material sich glatt oder samtig anfühlt, einen "edlen" oder eher "erdigen" Eindruck hinterlässt.
Aus meinem Bestand fallen mir dabei zum Vergleich ein Bark River Gunny und ein RAT Cutlery RC-3 ein. Beide in etwa in der gleichen Anwendungs- und Größenklasse, beide mit sehr bequemen Micartagriffen (ohne Grooves), aber von der Anmutung her total verschieden. Das BRKT wird automatisch mehr "für Gut" mitgenommen, das RAT geht mit in den Dreck (wie auch aktuell).
Übrigens empfinde ich auf eine ähnliche Weise bei den "klassischen" Strider-Fixed: Die Modelle mit Paracordgriff sprechen mich beispielsweise mehr an, als die mit CNC-gefrästen Griffschalen. Ja, Paracord ist "billig" und ja, es verdreckt, wird speckig, verrutscht vielleicht, könnte locker werden und verschleißt schneller - aber irgend eine arme Sau hat zum Wickeln mal seine eigene Körperkraft und Fingerfertigkeit benötigt 
Das Prinzip funktioniert am Markt offenbar so gut, dass es auch immer mehr Serienmesser gibt, deren weitestgehend Maschinell hergestellte Griffe durch ihre Oberflächenbeschaffenheit diesen Bedarf an "natürlicher Unperfektheit" bedienen.
Mein persönliches Fazit? Ich empfinde diese "neumodischen" Grooves nicht im geringsten als notwendig, aber sie können ein ansonsten vielleicht langweiliges Werkzeug mit "popligem" Kunststoffgriff zu etwas machen, das ich gerne länger mit mir herumtrage - nicht nur zum arbeiten, sondern auch zum anschauen und anfassen. Es hat dann womöglich gar einen gewissen "Faustkeil"-Charme, vielleicht ein Urinstinkt bei unsereinem, so was haben zu müssen
Einen allgemeinen Nutzen in Sachen Rutschfestigkeit mag ich solchen Vertiefungen natürlich nicht absprechen, aber ich gebrauche meine Messer seltenst auf eine Weise, wo dieser Punkt relevant würde und habe im Gegenteil auch sehr gute Erfahrungen mit "glatten" Griffen gemacht, selbst wenn es mal brenzlig hätte werden können. Die übrige Grifform spielt ja schließlich auch noch eine Rolle...
Die Frage nach Sinn oder Unsinn stellt sich also hier für mich persönlich nicht, viel mehr spielt sich dabei wohl im Unterbewusstsein ab. Ein ganz schlichtes Puukko aus nicht rostfreiem Stahl und mit tonnenförmigem Holzgriff müsste da deutlich weniger Überzeugungsarbeit bei mir leisten, damit ich es mag 
Grüße,
Daniel