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Montag, 6. August 2018, 20:46

White River Firecraft 3.5 Pro Review

Hallo,

ich möchte euch hier das White River Firecraft 3.5 Pro vorstellen. Ende Mai bin ich auf dieses Messer aufmerksam geworden und besitze es nun seit einem knappen Monat.
Die Stahlwahl, die Größe und die Klingenform haben mich neugierig gemacht und dafür gesorgt, dass ich mal wieder seit langem ein Messer gekauft habe. Eines direkt vorweg, der anfänglichen Euphorie ist Ernüchterung gewichen. Warum möchte ich nun erklären.

Aber zuerst einmal ein paar Fakten:

Stahl: CPM-S35V, gehärtet auf 60 HRC
Gesamtlänge: 19,8 cm
Klingenlänge:8,7 cm
Klingendicke:3,28 mm
Klingendicke nach der Schneide: 0,52 mm (edit: siehe Post Nr 8)
Lochdurchmesser: 22,72 mm
Gewicht: 102g
Gewicht mit Scheide und Feuerstahl: 184g



Wie ich bereits erwähnte war ich auch wegen der Form gespannt auf das Messer. Es erinnerte mich stark an mein geliebtes SK01, nur ein bisschen länger. Diese Form hat sich für mich bei leichten Camparbeiten (Lebensmittelzubereitung und Schnitzen) als sehr angenehm herausgestellt. Und da es ziemlich genau die Hälfte vom SK01 kostet (und mit Paracordgriff noch günstiger), wollte ich es mal ausprobiert haben, um eine mögliche günstigere Alternative zu finden.

Mir hat sich nun in diesem knappen Monat das Konzept dieses Messers nicht erschlossen. Der Name Firecraft soll andeuten das mit Feuer bzw. Holz für die Erzeugen eben dieses Feuers gearbeitet werden kann/soll. Dafür spricht auch der Feuerstarter der dabei ist(dazu später noch ein paar Worte).


Allerdings ist für sicheres Arbeiten an Holz ein Griff erforderlich, bei dem man feste zupacken kann. Nun gut, das hätte ich vorher ahnen können, die Bilder im Netz zeigen einen filigranen Griff mit verhältnismäßig fetter Klinge. Auch meine großen Hände (Handschuhgröße 11-12) machen es dann nicht einfacher. Aber auch Menschen mit kleineren Händen hatten beim feste zupacken für kräftige Schnitte wenig Spaß am Griff (Messer mit Schneide von Körperweg aber nah festhalten, Holz mit Kraft über die Schneide zum Körper ziehen. Dies soll schnell viel Material abtragen. Sicherlich eine bekannte Technik, keine Ahnung wie sie heißt). Fast wie ein dünnes Rohr in der Hand hatte das Messer jede Menge Spiel und es rutschte in der Hand herum. Dies führte bei unerfahrenen Nutzern zu weiteren Unsicherheiten.


Ich vermute der Ring am Ende sollte einfach dafür sein, dass das Messer am Ende nicht so dürr aussieht. Mehr Komfort oder einen richtigen Nutzen bietet er zumindest nicht.

Er ist allerdings ein ganz hervorragendes Mittel um mit dem Messer herumzuspielen und tolle Kunststücke zu machen. Das war tatsächlich zeitweilig einer meiner Lieblingsbeschäftigungen (wer braucht schon diese Fidget Dinger).


Für die Lebensmittelzubereitung auf einer Schneidunterlage muss ich meine Hand unbequem verrenken. Auch dies ist dem zu dünnen Griff geschuldet. Mit etwas mehr Volumen könnte ich dort besser arbeiten.

Die G10 Griffschalen sind sehr rau und bei einem Klappmesser würde ich diese wegen Hosenfressergefahr mit Schleifpapier bearbeiten. Hier geht das aber noch klar.
Die Schrauben scheinen Inbus zu sein, mit einem Torx T10 bekam ich sie aber auch gelöst. Die Schrauben sind übrigens das einzige am Messer, was weniger wertig wirkt. Diese hatten einen leichten Grat und auch noch Verarbeitungsspuren.


Ich hatte erwartet das dieses Messer zum Schneiden für Lebensmittel gut geeignet ist. Die Klinge ist ja im Vergleich zu aktuell anderen Serienmesser schon fast als dünn zu bezeichnen.
Dennoch war das Schneiden von Obst und Gemüse nicht so erfreulich wie erhofft. Geschnitten wurde alles, das wenigste gespalten. Dennoch hatte man immer das Gefühl nah an der Grenze zu sein dass es gleich gespalten wird und somit einen leicht erhöhten Widerstand. Ein leichter Hohlschliff hätte hier sicherlich gut getan.
Die Jimpings sind sehr angenehm gestaltet und an der richtigen Stelle für meinen Daumen.

Die Kerbe auf dem Klingenrücken für den Feuerstarter tut was sie soll. Für mich hätte es aber auch ein teils nicht entgrateter Klingenrücken getan. Was ich dann allerdings nicht verstehe, warum ist der restliche Klingenrücken dann immer noch so scharfkantig wenn doch besagte Feuerstahl-Kerbe vorhanden ist. Derartig scharfkantige Klingenrücken sind bei mir nicht sonderlich gern gesehen, da ich gerne zum Schnitzen den Daumen meiner zweiten Hand zur Hilfe nehme um damit leichten Druck auszuüben. Dies ist bei einem scharfkantigen Klingenrücken nicht sehr angenehm und auf dauer schmerzhaft.

Die Stonewash-Oberfläche der Klinge ist gut gemacht und zeigt mir bisher auch noch keine Spuren von Kratzern.

Ein paar Löckchen an Holz zu erzeugen (Feathersticks) sind nach einiger Übung und ohne Hilfsdaumen auch möglich gewesen:

Allerdings auch hier immer dieses Gefühl, dass da *eigentlich* etwas zuviel Stahl direkt nach der Schneide ist.

Die Schnitthaltigkeit ist bisher sehr gut. Nachgeschärft habe ich es bisher nur einmal, und nicht weil es sein musste, sondern weil ich es wollte. Auf meiner üblichen Naniwa Pro Kombi (1000, 3000, 5000) lies dieses Messer sich sehr angenehm schleifen. Da hat sich für mich auch wieder die Nützlichkeit einer Schleifkerbe bewiesen.


Die Scheide ist solide verarbeitet. Kein handwerkliches Kunstwerk (die großen Abstände zwischen den Nieten sorgen dafür, das Spalte zwischen den beiden Kydexschichten entstehen), dafür ist sie aber so schlank gehalten das ich es problemlos quer am Gürtel tragen kann (auf ca. 1 Uhr). Diese Tragweise ist auch vom Hersteller so vorgesehen mit der Kydexschlaufe.
Die Kydex-Gürtelschlaufe die dabei war wurde aber von einem Spyderco G-Clip ausgetauscht. Einfach weil man den Clip auch bei geschlossenem Gürtel noch auf eben diesen drauf bekommt.
Es klappert nichts.

Leider habe ich verpennt nochmal extra Bilder vom Feuerstarter zu machen. Weiter oben kann man diesen zumindest in der Scheide nochmal sehen.
Ein tolles Stück, das mit wenig Kraft viele Funken erzeugt. Da wird es dem "Fire" im Namen gerecht. Der Micarta Griff trägt zur Wertigkeit bei. Der Gummibändchen sorgt dafür, dass der Feuerstarter nicht herausfällt, was aber zumindest im neuen Zustand unmöglich ist, da er wirklich eng in seiner Kydexhalterung steckt.

Geliefert wurde das ganze übrigens in einer einfachen, aber sehr schönen Holzbox(wieder verpennt...).

Fazit. Das ist das Problem mit hohen Erwartungen. Man malt sich alles Mögliche im Geiste aus, was das Messer alles Tolles kann, und dann wird es schwierig diesen Vorstellungen gerecht zu werden.
Nichtsdestotrotz ist diese Griff-Klingen Kombination mir weiterhin ein Rätsel. Entweder mehr Griff oder weniger Klinge (in mehreren Dimensionen). So ist das Messer für meine Hände kaum zu gebrauchen.
Die Verarbeitungsqualität des Messers ist sehr gut (Schrauben außen vor). Die der Scheide ist Mittelmaß.


Wie immer, ein paar Vergleichsfotos:

v.l.n.r:
TRC Splinter XS, MDK SK03, White River Firecraft 3.5 Pro, MDK SK01, Linder Karelia Hunter


v.l.n.r:
Linder Karelia Hunter, MDK SK03, White River Firecraft 3.5 Pro, MDK SK01, TRC Splinter XS


v.o.n.u:
Linder Karelia Hunter, MDK SK03, White River Firecraft 3.5 Pro, MDK SK01, TRC Splinter XS



Danke fürs Lesen, bei Fragen oder Anregungen einfach melden.

Gruß

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Fabsel« (9. August 2018, 12:21)


2

Montag, 6. August 2018, 23:07

Hi Fabsel, vielen Dank für das ausführliche Review!

Ich bin seit einer Woche ebenfalls stolzer Besitzer des kleinen Firecraft - allerdings in der paracordierten Variante.

Für mich waren zwei Dinge bei der Beschaffung wichtig:
  • Das Design gefällt mir richtig gut (ja, besonders der Ringknauf :D )
  • Das Gewicht
Da es in letzter Zeit immer schwieriger wird neben dem Kleinkinder-bedingten Hausstand, den meine Frau in meinem
Tagesrucksack ablädt noch Platz zu finden für eins meiner größeren Messer, ohne die Volumina zu überschreiten, die

sich noch in Daypackregionen bewegen, suchte ich nach einem kleinen leichten Fixed das überall einen Platz findet.
:tempted:

Diesem Anspruch wird das FC 3,5 auf jeden Fall gerecht. Mit, ich glaube, 90g fällt es selbst in der Hosentasche kaum
auf.

Das von dir beobachtete Schneidverhalten kann ich bestätigen, allerdings ist es mir bisher nicht negativ aufgefallen.
In dem Sinne hat jede Klingengeometrie ihre Vor- und Nachteile. Futter und Holzbearbeitung gingen bisher jedenfalls
gut von der Hand. Wie sich das FC bei gröberen Aufgaben schlägt habe ich noch nicht ausprobiert. Ich denke aber es wird
sich mit deinen Beobachtungen decken - ein Griff mit mehr Volumen, bietet mehr Reserven, ganz klar. Trotzdem bin
ich sehr zufrieden mit der Handlage (Handschuhgröße 10).

Zitat


Derartig scharfkantige Klingenrücken sind bei mir nicht sonderlich gern gesehen, da ich gerne zum Schnitzen den Daumen meiner zweiten Hand zur Hilfe nehme um damit leichten Druck auszuüben.


Das wäre bisher auch mein einziger echter Kritikpunkt. Als ich am ersten Tag ein paar Stöcker für den Nachwuchs
zurecht gemacht habe, hatte ich danach einen völlig zerschnittenen linken Daumen. Ich habe schon Messer gehabt
die ab Werk weniger scharf waren als dieser Klingenrücken. :rolleyes:
Dafür kommt die Klinge selbst aber auch höllenscharf. Beim Einstecken ... nach ein paar Bierchen ... nicht soo viele ... habe ich mir
fürchterlich tief in den kleinen Finger geschnitten und es kaum gemerkt. Damit könnte man auch locker eine OP bestreiten.
Also mit dem Messer, nicht meinem kaputten Finger. 8)

Fazit nach einer Woche abendlicher Ferienbespaßung für die Kleinen und Campingtour am Wochenende: sehr positiv :love: :love:

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »mekel« (6. August 2018, 23:14) aus folgendem Grund: Zeilenumbrüche aaaarghl


3

Dienstag, 7. August 2018, 08:31

Hallo Mekel,

danke für deine Rückmeldung.
Das Gewicht spricht wohl wahr für das Messer. Und ist in deinem Lastenesel-Fall (sorry, mir fällt keine bessere Umschreibung ein) wohl auch zu berücksichtigen.
Dass das Messer sicherlich einigen Leuten aus verschiedenen Gründen gefallen wird freut mich ja auch für den Hersteller. Was mir aber ein wenig sauer aufstößt, und das erwähnte ich ja Eingangs, dieses Messer ist für den im Werbetext und im Namen angedeuteten Fall nicht wirklich eine gute Wahl. Sicherlich für ganz andere Fälle. Ich kauf mir ja auch schließlich kein Motorrad in der Erwartung die Ladefläche eines Pickups zu haben.

Zitat

Designed for heavy use in real survival situations, this knife stands alone or makes an excellent companion knife to the larger knives in the series. It's compact enough to allow for every day carry, camp, hunting, backpacking or utility knives.

dieses "heavy use in real survival situations" ist einfach nur Marketing Blabla ohne Grundlage. Aufgrund seiner Größer sicherlich ein super EDC, da rüttel ich nicht dran. Aber im Wald, selbst als kleines Beimesser für mich definitv nicht die richtige Wahl.

Zitat

Das wäre bisher auch mein einziger echter Kritikpunkt. Als ich am ersten Tag ein paar Stöcker für den Nachwuchs zurecht gemacht habe, hatte ich danach einen völlig zerschnittenen linken Daumen. Ich habe schon Messer gehabt die ab Werk weniger scharf waren als dieser Klingenrücken. :rolleyes:

da bin ja froh dass das zumindest noch jemand anders so sieht. Manchmal denke ich, ich bin der einzige den das stört und alle anderen freuen sich über scharfkantige Klingenrücken. Muss wohl mit dem Feuerstarter-Hype zu tun haben (Hype in diesem Fall wertfrei verstehen).

Gruß

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Fabsel« (7. August 2018, 08:32)


Stinkeputz

So weit - so gut....

Wohnort: Kurpfalz

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4

Dienstag, 7. August 2018, 14:32

Danke für dieses tolle Review. Ich habs sogar zweimal gelesen.

Wieder eine Bestätigung für mich, hier in diesem Forum zu sein. Es hat mir die lange Kaufüberlegung bezüglich genau dieses Messers nämlich mit fundierten Informationen beendet.

Beste Grüße,
Andy
Perfer et obdura!

5

Dienstag, 7. August 2018, 18:02

dieses "heavy use in real survival situations" ist einfach nur Marketing Blabla ohne Grundlage


Da hast du recht, sollte bei einem Blick auf die Dimensionen aber klar sein. 8)

Eiserner

Tactical Hippie

Wohnort: Redhairmountains

Beruf: Berufskraftfahrer mit pädagogischem Auftrag/ AAT/ CT- Trainer

  • Nachricht senden

6

Dienstag, 7. August 2018, 22:40

Eine sehr informative Vorstellung dieses Messers, danke dafür!
Dein Review bestätigt meinen Eindruck, ohne es je in der Hand gehabt zu haben.
Ich bin ein Fan des Hunters der selber Marke, welches gerade ergonomisch eine Punktlandung ist und dessen Verarbeitung nichts zu wünschen offen lässt. Das Caper werde ich mir wohl auch noch holen aber der Sinn der Form- und Namensgebung des von dir vorgestellten Models hat sich mir nicht erschlossen, was du ja hier bestätigst.
Ich sag immer, entscheide dich nie für ein Messer ohne es in der Hand gehabt zu haben.
Die Entscheidung gegen einen Kauf funktioniert ohne haptischen Test anscheinend ganz gut.
Schönen Abend, Eiserner

Gesendet von meinem SM-A520F mit Tapatalk
SEX, KNIVES AND ROCK'N'ROLL

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Eiserner« (7. August 2018, 22:44)


emil

Elite-User

Wohnort: Waldviertel/Nö

Beruf: sehr hart

  • Nachricht senden

7

Mittwoch, 8. August 2018, 08:52

Grüß euch werte Freunde,
Danke Fabsel fürs Vorstellen! Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen!
Beste Grüße Emil
In Funken versunken!

8

Donnerstag, 9. August 2018, 12:09

Danke für die Rückmeldungen :)

ich habe nochmal nachgemessen. Die oben genannten 0,52mm hinter der Schneidfase gelten für exakt die Mitte der Klinge.

2mm nach Schleifkerbe: 0,65 mm
3mm vor Spitze: 0,81 mm
Gesamter "Bauchbereich": 0,7-0,75 mm hin zur Spitze

Das sind die Werte die ich gerade nochmal gemessen habe. Diese seltsamen Werte lassen mich noch skeptischer werden und bestätigen Zugleich auch meine Erfahrungen. Im Griff nahen Bereich arbeite ich z.B. um an einem Kienspan dünne Flocken heraus zu schnitzen, im vorderen Bauchbereich fange ich bei Lebensmitteln an zu schneiden. Ich denke ich habe hier einen Teil der Antwort gefunden.

Gruß

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